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Datum: 26.02.2017
Autor: Rielryn
Thema: Kreaturologie
Titel: Von der Beschwoerung des Daimons Nyarlathotep
Dieses Traktat handelt von der Beschwoerung des Daimons Nyarlathotep,
auch bekannt als Herr der Schwarzen Kuenste.
Nyarlathotep ist eine der hoeheren daimoniden Entitaeten. Ueber ihm stehen
nur noch Erzdaemonen, und die Beschwoerung dieses Wesens hat nur eine Person
je gewagt und ueberlebt: Baron Haldor v. Schwarzenfels, der bekannteste
Beschwoerer seiner Zeit. Seither mag es einige Versuche gegeben haben, diesen
hoeheren Daimon zu beschwoeren. Hier nun beschreiben Wir das Beschwoerungsritual,
welches in Schwarzenfelds bekanntem Werke „Atlas der Daimonischen Sphaeren“
nur unvollstaendig wiedergegeben ist.
Die wichtigste Regel, wenn man sich mit einem Daemon dieser Gruppe einlaesst,
lautet: Kontrolle ist unmoeglich. Daraus folgt, dass einzig auf den Schutz
des eigenen Lebens Sorgfalt verwandt werden sollte, denn es gibt keine Macht
in diesem Planum, die eine solche Kreatur zu unterwerfen vermag.
Der Herr der Schwarzen Kuenste erscheint nicht ohne weiteres in dieser Sphaere.
Man benoetigt sieben Blutopfer, um ihn zu locken. Dabei ist es nicht einerlei,
was geopfert wird; Nur das Blut von Kindern ist appropriat fuer dieses Ritual.
Jeder Versuch, dieses Opfer zu vermeiden, mag unvorhergesehene Folgen haben.
Zudem kostet das Rufen des Daimons eine Dekade des Lebens jenes Beschwoerers.
Haldor v. Schwarzenfels, der als Paktierer der Daimonen bekannt war, erreichte
nicht einmal sein vierzigstes Lebensjahr. Doch sein Koerper soll der eines
Achtzigjaehrigen gewesen sein, und er hatte zwei weitere Paare Brustwarzen.
Man sollte sich darueber im Klaren sein, dass ein Daimon wie der Herr der
Schwarzen Kuenste nicht gewalttaetig und bestialisch wie ein niederer Daemon
auftritt. Er erscheint dem Beschwoerer vielleicht als guetiger, gepflegt
gekleideter Mann oder atemberaubende Frau. Mit Einfluesterungen und
Versprechungen versteht er es, den Beschwoerer seinerseits zu bannen und
unter seine Kontrolle zu bringen. Er empfindet keine Freude am Tod seiner
Opfer. Vielmehr ist es das Spiel, das er liebt; Und die Angst. Diese Fassade
verbirgt seine wahre Natur. Kaum ein Wesen ist chaotischer und in der Konsequenz
seiner Existenz erschreckender. Der Daimon verspricht unglaubliche Macht.
Und er verleiht sie. Doch nur ihm selbst zum Vergnuegen, und sein Preis ist
schrecklich.
Aus dem Werk „Wege ohne Namen“ des Grossmeisters Ranaghar Noquar:
„Und siehe, er ward zum Meister der niederen Horden. Sie wanden sich in
Agonie, wenn sie seines Antlitzes ansichtig wurden, und er herrschte sieben
mal sieben Jahre ueber sie. Doch als seine Spanne abgelaufen war, holte ER
ihn in sein Reich. Und seine Schreie liessen den Aether erzittern, sieben
mal sieben Jahre lang.“
Wem dies nicht Warnung genug ist, der erfaehrt an dieser Stelle, wie die
Beschwoerung des Herrn der Schwarzen Kuenste zu bewerkstelligen ist.
Der Beschwoerer zieht ein Pentagramm zu seinem Schutze, desweiteren zwei
Kreise. Ausserdem zeichne er Runen des Schutzes und des Bannes um seine
Schutzkreise. Nur geweihte Kreide darf verwendet werden, und das Ritual darf
nur auf ebener Erde stattfinden. Denn Nyarlathotep hat eine begrenzte Macht
ueber die Elemente Wind und Wasser, und er wird sie schaenden, um die
Schutzkreise des Beschwoerers hinfort zu waschen.
Der Daimon wird nicht in einem Pentagramm beschworen, sondern in einem mit
Blut gezeichneten Heptagramm. An jedem Ende steht eine waechserne, schwarze
Kerze. Die Flammen jedoch duerfen nur aus nichtmagischem, natuerlichen Feuer
bestehen, denn Nyarlathotep beherrscht es, die Faeden des Arkanen Gewebes
nahezu nach Belieben zu verweben. Um das Heptagramm wird ein Kreis gezeichnet,
dazu Runen des Bannes und der Schmerzen.
Sieben Kinder muessen geopfert werden; Knaben, deren Eltern keinem Gotte
huldigen. Nicht ihr Blut ist es, nach dem ihn duerstet, sondern ihr Fett.
Das siebte Lebensjahr duerfen sie noch nicht vollendet haben.
Bevor das erste Opfer dargebracht wird, wird die erste Formel gesprochen:
Herr der Schwarzen Kuenste, hoere mich an

Nimm dies Opfer von mir

Ersticke die quaelenden Zweifel

Erloese meine gepeinigte Seele

Vas Kal Xen Corp Nyarlahotep
Den Opfern werden nun Herzen, Kopf und Genitalien abgetrennt und im Heptagramm
plaziert. Als naechstes trinkt der Beschwoerer aus einem silbernen Kelche
das Blut aller sieben Opfer und spricht die zweite Formel.
Herr der Schwarzen Kuenste, hoere mich an

In tiefer Demut wende ich mich an Dich

Begrabe den Schmerz, der an mir nagt

Nimm die Essenz meines Seins mit Dir hinfort

Vas Kal Xen Corp Nyarlathotep
Der Beschwoerer begibt sich nun in sein Pentagramm und zeichnet die Runen
der Formel in die Luft. Dies geschieht genau siebenmal, danach erhebt er
seine Stimme erneut, um die finale Formel zu sprechen.
Herr der Schwarzen Kuenste, hoere mich an

Der Zoll ist entrichtet

Schreite ueber die Pfade, deren Namen unbekannt

Erscheine!

Vas Kal Xen Corp Nyarlathotep
Nunmehr sind alle erforderlichen Formalitaeten vollbracht, und der Daimon
wird erscheinen. Wichtig ist vor allem, ihm nicht in die Augen zu blicken.
Wer ihm in die Augen sieht, schaut den Wahnsinn, heisst es. Alle Wuensche
muessen kurz und praezise formuliert sein und wohlueberlegt. Jede Erfuellung
einer Bitte kostet eine Dekade des Lebens, und mit der ersten Bittstellung
schliesst man einen Pakt, der den Daimon in den Besitz der Seele des Beschwoerers
bringt. Fortan hat man noch genau sieben mal sieben Jahre zu leben, danach
gehoert man ihm mit Leib und Seele.
So steht es geschrieben im „Atlas der Daimonischen Sphaeren“, und Wir zweifeln
die Authentizitaet dieses Rituals nicht an, wurde es doch von Grossmeister
Ranaghar selbst kommentiert. Zudem waren Wir bislang nicht in der Lage, dieses
Ritual selbst zu vollziehen, um es zu pruefen und einer ausgiebigen Exerminatio
der Mechanismen zu unterziehen.
Man sagt, das Einzige, was der Herr der Schwarzen Kuenste wirklich fuerchtet,
ist die Beschwoerung durch einen Seelenlosen, der ihn unter seine Kontrolle
zu zwingen vermag. Jedoch, die einzigen Wesen ohne Seele, die dieses Ritual
durchzufuehren in der Lage waeren, sind Daimonide.
So beschliessen Wir dieses Traktat mit dem Satz des Grossmeisters Ranaghar:
„Schau das Boese; Hoere das Boese; Schmecke das Boese; Spuere das Boese;
Doch beruehre es nicht.“