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Datum: 26.02.2017
Autor: Xune Vadaharr
Thema: Sonstiges
Titel: Über die Reise mittels Runen - Erklärung eines Paradoxons
1)Einleitung
Dieses Traktat beschäftigt sich mit der Herstellung, Eigenschaft und Verwendung von Runen und soll ein scheinbares Paradoxon bei der Reise mithilfe von Runen erklären.
Diese Arbeit ist als Nebenforschungsprojekt der Grundlagenforschung zu betrachten. Mein Hauptaugenmerk gilt nach wie vor dem contri ulu l’tulshar de’noamuth m’elzar, der bereits Gegenstand meiner Magaarbeit war.

2)Rune
„Rune“ ist ein mehrdeutiger Begriff: So bezeichnet man die „Buchstaben der Magie“, mit den Runenwörtern Naut, Inlul, Elgg und so weiter (in den dunkelelfischen Sprache) bzw. An, Bet, Corp und so weiter (in der menschlichen Sprache) ebenso als Runen, wie die mehr oder minder rechteckigen, mit Drachenblut getränkten Holz- oder Knochenstücke mit denen die Reise auf magischem Wege möglich wird. Wie sich diese Bezeichnung eingebürgert hat, ist nicht gänzlich nachzuvollziehen. Sehr wahrscheinlich wurde das Symbol, das im Allgemeinen bei der Herstellung auf die Rune gemalt wird, um diese von einem gewöhnlichen Stück Holz/Knochen deutlich unterscheiden zu können, von einer Rune abgeleitet. Die größte Ähnlichkeit des Symbols besteht zur Rune Lar (Kal).

Reise mithilfe einer Rune
Die Applicationes Jatha’la Thir’ku Alu (Vas Rel Por) und Lar Faer Alu (Kal Ort Por), die mit einst wirkungsvollen Paraphernalia heute keine Wirkung mehr findet, benötigen zur magischen Reise an einen bestimmten Ort eine Rune, die vorher an jenem Ort mit dem arkanen Gewebe verknüpft wurde. Dies erfolgt durch die Applicatio Lar Alu Selg’tarn (Kal Por Ylem). Für die Reise ist es gleichgültig, wer die mit dem Ziel verknüpfte Rune zuvor markierte. (Mehr dazu unter „Das Markieren von Runen“)

3)Runenherstellung
Die Runenherstellung ist nur einem Magiebegabten möglich. Zwar sind grundlegende Kenntnisse im Schnitzen erforderlich, doch kommt es bei der Herstellung nicht auf eine bestimmte oder besonders schöne Form der Rune an, sondern mehr darauf, aus dem unhandlichen Holzscheit/Knochenstück ein handliches transportables Stück, zu fertigen. Zur Herstellung einer Rune benötigt man einen Holzscheit oder einen Knochen sowie zwei Amphiolen Drachenblut. Die Art des Holzes oder Knochens ist für die Wirkung der Magie, also die Reise, einerlei. Dennoch ist bei höherwertigen Holz- und Knochensorten eine längere Nutzbarkeit der Rune zu beobachten. (Dazu mehr unter „Das Markieren von Runen“). Nachdem das Holz/der Knochen in eine handliche Form gebracht wurde – hier wird meist der rechteckigen oder ovalen Form der Vorzug gegeben – erfolgt die Tränkung mit Drachenblut, aus dem die Alchemisten auch Manaauffrischungstränke herstellt. In einem weiteren Schritt manipuliert der Hersteller in einer als anspruchvoll einzustufenden Prozedur die mit Drachenblut getränkte Rune mithilfe seiner Geisteskraft so, dass später an diese ein Knoten des arkanen Gewebes, der das Ziel einer magischen Reise sein soll, geknüpft werden kann. (Mehr dazu im nächsten Kapitel.) Man kann sich dies wie das Schaffen eines Knopfloches vorstellen, in dem ein Knopf halt finden soll. Das Blut eines Drachen, einem Geschöpf von unvergleichlicher Stärke und eng verwobener Verbindung zum arkanen Gewebe, hilft seit jeher diese Bindung zu ermöglichen – dieses Knopfloch zu schaffen.

4)Das Markieren von Runen
Die Markierung einer Rune, also die Bindung einer Rune an einen Ort, erfolgt mittels der Applicatio Lar Alu Selg’tarn (Kal Por Ylem). Der Knotenpunkt im Gewebe, der fortan das Ziel der besprochenen Rune darstellen soll, ist jener, der sich am Standpunkt des Wirkenden befindet. Der Knopf (der Knotenpunkt) wird durch den Wirkenden im Knopfloch der Rune verankert. Lar Alu Selg’tarn bedeutet soviel wie: „beschwöre bewegende Materie“. Interessant und wichtig ist für die nachfolgende Argumentation, dass es sich um eine Beschwörung handelt, wie etwa beim Lar Tluin (Kal Xen). Eine Theorie die großen Zuspruch findet, ist dass eine beschworene Kreatur von einer Subebene gerufen wird und solange auf unserer Ebene verweilt, wie Energie für die Aufrechterhaltung des magischen Bandes, das die Kreatur an unsere Ebene bindet, vorhanden ist bzw. solange bis das magische Band durch einen Naut Faer (An Ort) durchtrennt wird.
Ähnlich muss man es sich bei der Markierung einer Rune vorstellen: Beim Markieren der Rune wird ein Band mit dem Knotenpunkt im Gewebe geknüpft, das bestand hat, egal wohin die Rune auch wandert. Die dem arkanen Gewebe abgezapfte „Energie“ reicht dann für eine bestimmte Anzahl von magischen Reisen mithilfe der Rune. Bei höherwertigem Holz und Knochen (etwa von einem Drachen, der von Natur aus eine starke Bindung an das Gewebe hat), gelingt es das Gewebe besonders dicht mit der Rune zu verweben, so dass eine größere Anzahl an Reisen möglich ist, als mit einfachstem Material. Verliert die Rune ihre letzte Kraft, so löst sie sich auf unerklärliche Weise auf und verfällt zu Staub, was sicherlich auch eine Art Schutzmechanismus ist. (Nicht auszudenken, welche Gefahren eine Reise durch den Äther hätte, bei der auf halbem Wege das Band zum Zielort bricht. Ein interessantes Phänomen ist auch, dass die an einen Knotenpunkt geknüpfte Rune, auf der neuerdings ein undurchdringliches Hindernis wie etwa eine Hauswand steht, zu staub verfällt.) Ist eine Rune bereits gebraucht, so kann diese _erneut_ an einen beinahe beliebigen Ort geknüpft werden mittels Lar Alu Selg’tarn (Kal Por Ylem). Es steht dann wieder Energie für eine _etwa gleiche Anzahl von Torreisen_ wie bei der ersten Markierung bereit. Etwas flapsig formuliert: Die Rune wird mit neuer Energie geladen. Dieser Sachverhalt bekräftigt die Vorstellung der Knüpfung eines magischen Bandes an einen Knotenpunkt im Gewebe und verdeutlicht, dass das Holz, aus dem die Rune gemacht ist, lediglich die Funktion eines Trägers hat. Eine Abnutzung dieser ist einzig physikalischer, nicht aber magischer Natur; soll heißen: Nicht die Rune an sich (das Holz aus dem sie gemacht ist) nutzt durch die Magie ab, sondern allein die Energie, die dem magischen Band zur Verfügung steht, wird verbraucht, „nutzt ab“ -wenn man so will. Dass die Markierung von Runen nicht überall möglich ist, gibt interessante Einblicke auf die Struktur und Konstitution des arkanen Gewebes sowie die Verteilung und Dichte der genannten Knotenpunkte, soll aber hier keine weitere Erwähnung finden.
Anmerkung zur Vermeidung von Missverständnissen: Die Analogie zum Kal Xen ist nur im weitesten Sinne zu sehen und soll nur anhand etwas bekanntem verdeutlichen. Eine Bannung/ein Bruch des Bandes mit einem An Ort wie beim Kal Xen möglich, ist bei einer Rune –jedenfalls mit dem An Ort- nicht möglich. Eine Erforschung einer Applicatio, die jenes möglich macht, in Anlehnung an die Feldbannung, ist sicherlich interessant, wenngleich sicherlich wenig praxistauglich.

5)Markierung und Verwendung von Runen
Sowohl bei der Markierung als auch als Mittel zur Reise, kann der Wirkende die Rune verwenden, wenn er sie entweder am Körper (beispielsweise im Rucksack) oder aber in Sichtweite mit Sichtkontakt hat. So kann die Rune beispielsweise aus einer Entfernung von mehr als zehn Fuß gebraucht werden, solange die Sicht auf diese nicht versperrt ist. Es scheint paradox, dass eine Verwendung einer Rune, die der Wirkende am Körper trägt, möglich ist, selbst wenn er diese nicht sehen kann, weil sie etwa im seinem Rucksack ist. Hinzu kommt, dass die meisten Magiewirkenden mehr als eine Rune zu verschiedenen Zielen mit sich führen, die Auswahl der Rune zum gewünschten Ziel aber stets intuitiv richtig erfolgt. Insbesondere bei der Verwandlung durch den Jatha’la Selg’tarn Thir’ku (Vas Ylem Rel) geschieht dies sehr intuitiv, aber stets mit Erfolg. Außerdem ist es einerlei, wer die Rune markierte, eine Reise zu dem verknüpften Ziel ist jedem Magus/jeder Maga möglich.
So paradox es scheint, die Natur ist wie sie ist und hält bestimmt eine Erklärung bereit. Einen Versuch dieser Erklärung will ich nun wagen. Diese besteht aus zwei Komponenten, die ich als Antworten auf folgende Fragen geben will:
1) Wie ist die richtige intuitive Auswahl einer Rune zu einem bestimmten Ziel möglich ?
2) Warum ist der Bespruch einer intuitiv ausgewählten Rune am Körper ohne, außerhalb dessen aber nur mit Sichtkontakt möglich ?

Zur ersten Frage: „Wie ist die richtige intuitive Auswahl einer Rune zu einem bestimmten Ziel möglich ?“
Jeder Ort auf unserer Ebene, jeder Knotenpunkt hat eine einzigartige magische Struktur. Man könnte sagen: jeder Ort fühlt sich anders an. Ebenso hat jeder Magiewirkende eine einzigartige Struktura. Aus Struktur von Ort und Wirkendem ergibt sich bei der Beschwörung der bewegenden Materie, der Knüpfung des Bandes, beim Markieren eine wiederum einzigartige Struktur, die der markierten Rune zueigen wird. Man kann es sich als eine Art Ausstrahlung der Rune vorstellen. Jedem halbwegs begabten Magiewirkenden ist es möglich diese Strukturen voneinander zu unterscheiden, sich für die verschiedenen Ausstrahlungen zu sensibilisieren und somit die verschiedenen Ziele der Runen auseinander halten zu können, so er bereits einmal an jenem Ort war. War er noch nicht an jenem Ort, mit dem die Rune verwoben, so vermag er lediglich eine bekannte Rune von einer unbekannten zu unterscheiden. Da praktisch jedem Begabten die Magie in Fleisch und Blut übergeht, handelt er bei der Auswahl intuitiv. Er spürt, dass sich Runen unterschiedlich anfühlen und prägt sich dieses unterbewusst ein, ohne darüber nachzudenken, warum jenes überhaupt so wunderbar klappt.
Jedoch ist lediglich einem Magus/einer Maga letztendlich die Reise mittels einer Rune möglich. Nur der erfahrene Geist eines Magiers vermag das Band in einen Tunnel zu dehnen. (Für ausführliche Arbeiten zu diesem Thema, lege ich die Bibliothek des Konzils nahe.)
Dies bringt uns zur zweiten Frage: „Warum ist der Bespruch einer intuitiv ausgewählten Rune am Körper ohne, außerhalb dessen aber nur mit Sichtkontakt möglich ?“
Die angesprochne Ausstrahlung macht es, wie dargelegt, dem Wirkenden möglich, die Runen voneinander zu unterscheiden und die Rune, die zum gewünschten Ziel führt, auszuwählen. Mit zunehmender Entfernung der Rune vom Körper fällt es dem Wirkenden schwerer, diese Ausstrahlung wahrzunehmen bzw. von anderen Ausstrahlungen abzugrenzen. Trägt der Wirkende die Rune am Körper, so wird er fast eins mit dieser und es fällt ihm leicht, diese von anderen zu unterscheiden. Befindet sie sich aber außerhalb seines Körpers, so fällt die Konzentration auf die Rune und deren Ausstrahlung zunehmend schwerer. Ein Blickkontakt mit der Rune wird unbedingt nötig (der die Konzentration auf die Rune fördert), um die richtige Rune zu finden und sich vor Schaden durch eine Reise an einen falschen Ort zu schützen.

6)Schluss
Ich hoffe mit dieser Arbeit einen weiteren Grundstein auf dem Weg zur Erkenntnis gelegt zu haben und hoffe, dass diese großen Zuspruch findet oder aber eine lebhafte Diskussion auslöst. Für interessierte Collegi stehe ich gerne zur Verfügung.

Xune Vadaharr
Magistra
Qu’el’faeruk

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ooc-Anmerkung: Theorien gelten als wahr, solange sie sich bewähren und nicht widerlegt wurden. Einige beschriebene Fakten orientieren sich an der Natur (der Engine), Schlüsse und Erklärungen sind natürlich nur erdacht. Daher gibt es kein eindeutig „richtig“ und es können natürlich mehrere nicht widerlegbare Theorien nebeneinander existieren. Dies gilt es bei der Lektüre und im Übrigen beim Verfassen von eigenen Arbeiten, zu bedenken.