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Datum: 26.02.2017
Autor: Lutisana Gutherz
Thema: Nekromantie
Titel: Necromantische Beobachtungen
In der folgenden Abhandlung möchte ich eine umfassende Darstellung das untote Leben betreffend bieten. Diesem Tractatus gingen ein halbes Dutzend Monde der Forschung und Beobachtung voraus. Ebenso flossen die Erkenntnisse einiger Magi in diese Arbeit ein, deren empfehlenswerte Werke zu dieser Thematik in der Bibliothek des Konzils, der Magica Phaenomina oder auch der Bibliothek der schwarzmagischen Künste eingesehen werden können.

Diese Werke sind im Einzelnen:
– „Die Creatura Homo Sapiens Daimonius“ von Rhuadan Aidhmiuil
– „Applicatio In An Mani Grav“ von Maga Rielryn Noquar
– „Applicatio Kal Xen Corp“ von Maga Rielryn Noquar
– „Von der Natur der Daimonen“ vom Maga Rielryn Noquar

Die Abhandlung soll sich überwiegend mit in oben genannten Schriften nicht erwähnten Zusammenhängen beschäftigen, weshalb ich zum Beispiel die Beschreibung der Anatomie der Wesenheiten kurz fassen werde. Bei tiefergehendem Interesse diesbezüglich verweise ich abermals auf die exzellenten Werke meiner geschätzten Collegi.

Ebenfalls empfehlenswerte Lektüre, allerdings zum Zeitpunkt der Veröffentlichung meiner Schriften mir selbst gänzlich unbekannt, sind folgende Werke:
– „Studie zum Thema untoter Magier“ von Magister Heldor Gerosian
– „Tractatus de Anmortuis“ von Collegus Estor Ilandron

Desweiteren und letztendlich möchte ich darauf hinweisen, daß mir bislang der Zugang zur hohen Magie verwehrt ist. Daher beschränkt sich mein Wissen bezüglich Daimonologie, Invocati und der Erschaffung untoten Lebens auf die reine Theorie, wie sie in der Literatur beschrieben ist. So besteht an diesen Punkten das erhöhte Risiko von Fehlinterpretationen und Trugschlüssen. Mein Werk sollte nicht als endgültiges Ergebnis meiner bisherigen Arbeit verstanden werden, sondern soll vielmehr meine Vermutungen wiedergeben. In diesem Sinne hoffe ich auf fruchtbare Diskussion, die mir hoffentlich mit neuen Ansichten meine eventuellen Fehler offenlegt und meinen Horizont in dieser Thematik erweitert. So bitte ich Fehler an dieser Stelle zu entschuldigen, wenn auch zur Kenntnis zu nehmen.
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Struktur des Tractatus

1. Anatomie und Klassifizierung
– Beschreibung der Merkmale verschiedener untoter Wesenheiten
– Darlegung von Parallelen und Differenzen
– Klassifizierung nach verschiedenen Parametern

2. Arcanologische Untersuchung
– Astrale Aura
– Erschaffung und Beherrschung
– Arcanes Potential

3. Erörterung einer Daimonenbeherrschung

4. Schlußbetrachtung
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1. Anatomie und Klassifizierung

1.1 Beschreibung der Merkmale

1.1.1 Gemeines Skelett (Homo Sapiens Daimonis)
Hier verweise ich zuvorderst auf meinen Collegus Rhuadan Aidhmiuil, der bereits ein umfassendes Werk zu dieser Kreatur verfaßte und den ich an dieser Stelle in Auszügen zitiere.
Der Homo Sapiens Daimonis ist anatomisch betrachtet ein menschliches, zwergisches oder elfisches Skelett. Der hohe Grad der Verwesung bedingt das völlige Fehlen von Fleisch, Haut und Organen. Dennoch täuscht die zerbrechlich anmutende Erscheinung über die tatsächliche Kraft hinweg. Während der Fortbewegungsapparat nur mit scheinbarer Mühe das Wesen im Gleichgewicht halten kann, so sind doch die Greifextremitäten geschickt und stark genug, um Waffe und Schild zu führen.

1.1.2 Skelettritter (Homo Sapiens Magnus Daimonis)
Der Homo Sapiens Magnus Daimonis (im Volksmund „Skelettritter“) ist von der Anatomie her mit dem gemeinen Skelett identisch. Dennoch sind die Gelenke hier von noch größerer Stabilität und zugleich Geschmeidigkeit. Er vermag mit äußerster Geschicklichkeit und Kraft zu kämpfen, was mir hinreichend oft bestätigt wurde. Im noch größerem Maße als beim Homo Sapiens Daimonis ist hier die gegen alle Gesetze der Logik sprechende Robustheit verwunderlich.

1.1.3 Skelettmagier (Homo Sapiens Arcanus Daimonis)
Diese Kreatur weist ebenfalls einen Körperbau auf, der zu den beiden erstgenannten identisch ist. Meist haben die Knochen jedoch eine leicht rötliche Farbgebung. Der Homo Sapiens Arcanus Daimonis trägt trotz der bestehenden körperlichen Voraussetzungen keine Waffe und auch keinen Schild. Jedoch ist er in hohem Maße magisch begabt. Es wurde von Fällen berichtet in denen ein von Kriegern bedrängter Skelettmagier in der Lage war, einen Energiewirbel, Kettenblitze oder eine Flammensäule zu manifestieren.

1.1.4 Gespenst
Diese Erscheinungen erinnern in der äußeren Ansicht an einen menschlichen Oberkörper, welcher unterhalb des Nabels in einer schwanzähnlichen Verlängerung der Wirbelsäule ausläuft. Ein Gespenst bewegt sich knapp über dem Boden in der Luft schwebend. Selbst schwer angeschlagene Gespenster sind noch in der Lage, sich problemlos in der Luft zu halten, bis der endgültige Tod eintritt. Andererseits wurden aber auch noch keine Kreaturen dieser Gattung beobachtet, welche mehr als eine handbreit über festem Boden schwebten. Das Gespenst besitzt zwei Greifarme, die allerdings zu ungeschickt sind, um Waffen oder ähnliches sinnvoll zu nutzen. Stattdessen erwehrt es sich mit wuchtigen Schlägen, bevorzugt beidhändig.
Das Körperinnere dieser Wesen ist von zähflüssiger Konsistenz, in welcher ich Reste von halbverwesten Organen identifizieren konnte. Es blieb mir allerdings verborgen, ob diese Funde dem Wesen zur Nahrung dienten oder einmal selbst ein Teil dieses Körpers waren. Diese formlose und übelriechende Masse wird durch eine dünne, pergamentartig durchschimmernde Haut zusammengehalten, welche ob ihrer geringen Dicke doch erstaunlich widerstandsfähig ist.

1.1.5 Dunkle Seele
Diese Kreatur ist von Anatomie und Verhalten mit dem Gespenst vergleichbar. Ihre Haut weist eine dunkle Färbung auf. Die dunkle Seele ist entgegen dem gemeinen Gespenst magisch begabt, jedoch in schwächerer Form als der Skelettmagier. Es wurde zwar auch im Zusammenhang mit der dunklen Seele von Kettenblitzen berichtet, jedoch dies erheblich seltener. So ist der Schluß wohl gestattet, daß es sich dabei um von der Norm abweichende Ausnahmen handelt.

1.1.6 Liche
Diese Wesenheit fällt aus den Beschreibungen der anderen untoten Wesen heraus, besitzt sie doch einen völlig intakten, wenn auch meist mumifizierten Körper. Entsprechend ist sie von einiger Trägheit und Unbeweglichkeit. Sie vermag mit ihrem Stabe, den sie bei sich zu tragen pflegt, heftige Hiebe auszuteilen. Diese sind jedoch für einen erfahrenen Krieger mit Leichtigkeit zu parieren wie mir versichert wurde. Weitaus gefährlicher ist jedoch der Einsatz astraler Kräfte, zu welchem diese Kreaturen fähig sind. Nicht selten wurden Kettenblitze oder ähnlich anspruchsvolle Applicati beobachtet. Das Sezieren eines solchen Liches ließ mich in seinem Inneren sämtliche menschlichen Organe mumifiziert, wenn auch intakt und an ihrem angestammten Platz auffinden. Selbst geronnenes Blut konnte ich aus den pergamentartigen Adern entnehmen. Im Gegensatz zu den anderen in dieser Arbeit beschriebenen Kreaturen, vermag es der Liche also, seinen Körper auf einzigartige Weise durch Konservierung vor dem Zerfall zu schützen.

1.1.7 Zombie
Diese Kreatur besitzt den Körperbau eines Menschen, Elfen oder Zwerges. Der Corpus befindet sich im Anfangsstadium der Verwesung, was sich durch süßlich fauligen Geruch und den langsamen Zerfall bemerkbar macht. Die Wesen dieser Gattung sind von äußerster Labilität. Ihre Bewegungen zeichnen sich durch unkoordinierte Muskelzuckungen und simple Bewegungsmuster aus. Das Innere der Kreaturen entspricht dem eines humanoiden Wesens. Die Organe befinden sich am Beginn des Zersetzungsprozesses.

1.2 Parallelen und Differenzen

1.2.1 Parallelen
Die hauptsächliche und trivialste Übereinstimmung ist selbstverständlich das nekromantische Leben, das allen beschriebenen Wesenheiten innewohnt. Doch da diese Tatsache die entsprechenden Kreaturen erst in dieser Arbeit Erwähnung finden läßt, gehe ich an dieser Stelle nicht weiter darauf ein. Schließlich befaßt sich das gesamte Tractatum mit dieser Eigenschaft.
Sämtliche Kreaturen haben außerdem gemeinsam, daß man unmittelbar nach ihrem endgültigen Ableben Spuren arkaner Energie nachweisen kann. Diese Spuren sind von unterschiedlicher Intensität und ihr Nachweis ist entsprechend unterschiedlich lange möglich. Die selbst aktiv magisch begabten Wesen weisen auch nach dem Tode eine weitaus stärkere Reststrahlung auf.
Ebenso ist es allen gemein, daß sie selbstständig und unabhängig handeln. Dies mag mit unterschiedlicher Intelligenz geschehen, doch scheinen sie zumindest alle nicht gesteuert zu werden. Dies steht im Kontrast zu den Ausführungen der Maga Rielryn Noquar, die den animierten toten Körpern eine Beeinflussung durch den Willen ihrer Erschaffer zuspricht. Doch dazu später mehr.
Läßt man Gespenst und dunkle Seele einmal außen vor, so sind alle übrigen Wesen klar als ehemals humanoide Lebewesen erkennbar. Trotz der unterschiedlichen Verwesungsgrade sind doch eindeutige Merkmale erkennbar, die den humanoiden Ursprung belegen.
Gespenst und dunkle Seele erinnern im Aussehen ebenfalls an ein nur noch teilweise erhaltenes Lebewesen menschlicher, elfischer oder zwergischer Abstammung. Der fehlende Fortbewegungsapparat und die völlig zersetzten Innereien könnten darauf hinweisen, daß es sich hierbei ebenfalls um ehemals humanoide Wesen handelt, lediglich in wesentlich fortgeschrittenerem Verwesungsprozess. Gegen diese Theorie spricht dagegen das völlige Fehlen eines Skeletts.

1.2.2 Differenzen
Unterschiede gibt es sowohl innerhalb bestimmter Gattungen als auch zwischen den verschiedenen Arten. So unterscheiden sich allein schon die Skelette in Kraft und Widerstandsfähigkeit. Ebenso weisen einige, aber eben nicht alle magische Fähigkeiten auf. Analog ist es bei den Geisterwesen.
Das wohl offensichtlichste Merkmal das die verschiedenen Arten trennt ist der Verwesungszustand, der angefangen beim fast vollständig erhaltenen Zombie oder Liche bis hin zum vollends zersetzten Gespenst oder Skelett reicht.

1.3 Klassifizierung
Oben genannte Merkmale lassen mich die Wesenheiten im großen in drei Gruppen unterteilen. Dabei ist der primäre Parameter der Verwesungszustand. Innerhalb der Gruppen habe ich die Wesenheiten wiederum nach geistiger und körperlicher Kraft und Konstitution sortiert, wobei ich der geistigen Kraft eine höhere Wichtigkeit zusprach als der physischen.

ad primo: Skelettwesen
In diese Kategorie fallen das gemeine Skelett, der Skelettkrieger und der Skelettmagier.

ad secundo: Plasmatische Wesen
In diese Rubrik wiederum gehören solcherlei Kreaturen, deren Körper aus einer nicht näher definierten Masse bestehen, konkret also Gespenst und dunkle Seele.

ad tertio: Konservierte Untote
Diese Gruppe faßt alle Erscheinungen zusammen, deren Körper entweder noch nicht stark verwest ist oder durch verschiedene Arten der Konservierung intakt geblieben ist. Hier wären zu nennen der Zombie und die Liche.
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2. Arcanologische Untersuchungen

2.1 Astrale Aura
Wie bereits oben erwähnt, kann nach dem endgültigen Ableben eines untoten Kreatur immer eine gewisse Reststrahlung festgestellt werden. Diese läßt sich in jedem Teil des Körpers gleichermaßen nachweisen, stellt gewissermaßen einen Bestandteil der Wesenheit dar. Besonders dieses Phaenomen veranlaßt mich zu einigen Mutmaßungen. Gewiß wäre eine Erklärung die stets präsente arcane Kraft, welche das untote Leben überhaupt am Leben hält und zum Beispiel die Knochen der Skelette in den Gelenken festigt. Diese Theorie wird ebenfalls gestützt durch die Ausführungen der Maga Rielryn Noquar im Werk „Applicatio In An Mani Grav“, welches die Erhebung eines Leichnams zu untotem Leben erläutert. Darin beschreibt die werte Collega wie durch den Fluß arcaner Energien sowohl die Lebenskraft eines geopferten Wesens in den Leichnam übertragen wird, als auch der Leichnam als solcher physisch gefestigt wird. Eben jene Astralkraft könnte die Reststrahlung ausmachen. Doch möchte ich anmerken, daß wohl kaum ein jedes Wesen auf die beschriebene Art geschaffen wurde. Würden allen Wesen, die tagtäglich in Massen verschiedene unheilige Orte der Alten Welt überströmen auf die von der geschätzten Collega beschriebenen Weise entstehen, so schiene es mir unmöglich die nötige Menge an zu opferndem Leben aufzubringen. Es mag vielleicht eine weitere Möglichkeit geben, einen leblosen Körper untot zu animieren. Doch dazu später näheres.

2.2 Erschaffung und Beherrschung
Wie bereits in Punkt 2.1 erläutert liegt es nahe, daß eine weitere Möglichkeit zur Erschaffung untoten Lebens existiert. Auf die bereits in der Literatur erwähnte Applicatio „In An Mani Grav“ möchte ich an dieser Stelle nicht genauer eingehen. Der interessierte Leser möge Einblick in das Werk der Collega Rielryn nehmen.
Ein weiteres Indiz ist die Sache der Beherrschung. Wie in diversen Werken zu lesen ist, zwingt der Erschaffer das untote Wesen unter seinen Willen oder den eines damit betrauten Assistenten. Ebenso findet Erwähung, daß, so diese Unterwerfung nicht stattfindet oder gar mißlingt, durchaus ein eigener Wille des Untoten erkennbar ist. Wenn dieser auch wenig über die elementaren Triebe hinausgeht. Nun erscheint es mir unmöglich, eine gewisse Menge dieser Wesenheiten zugleich zu kontrollieren. Ebenso mag es schwerlich zu erreichen sein, für jedes auf der Alten Welt wandelnde untote Wesen einen eigenen Beherrscher bereitzustellen. Einmal ganz davon abgesehen, daß ein solcher doch zumindest einmal durch einen Zufall zu erkennen gewesen sein müßte, soweit er humanoider Natur ist.
Nun mag zurecht angemerkt werden, daß Kreaturen wie die Skelette und die Zombies doch offensichtlich lediglich einem instinktiven Trieb folgen und keinerlei zielgerichtetes Handeln erkennbar ist. Doch wie steht es mit Liches, Skelettmagiern und Dunklen Seelen? Die arcane Begabung dieser Wesenheiten setzt eine gewisse Intelligenz voraus, die zumindest ausreichend sein muß, um willentlich einen Zauber zu wirken, wenn auch nicht um ihn zu verstehen.

2.3 Arcanes Potential
Dieses Kapitel soll sich mit der aktiven magischen Begabung der Untoten befassen. Auffällig ist, daß sie scheinbar keineswegs an den Verwesungszustand gebunden ist. So existieren in jeder der drei Gruppen ein aktiv arcaner Vertreter. Dunkle Seele, Skelettmagier und Liche verfügen über magische Fähigkeiten, die in jedem bekannten Falle über die eines Adepten hinausgehen. Vielmehr beherrschen sie eine mächtige, wenn auch sehr urtümlich-brachiale Art der Zauberei. Nicht selten werden Kettenblitze, Erdbeben und Flammensäulen beobachtet, die die Kreaturen mit scheinbarer Leichtigkeit manifestieren. Dies ist umso verwunderlicher, wenn man bedenkt, daß selbst ein studierter und erfahrener Magus dies nur unter recht großen Anstrengungen bewerkstelligt. Ebenso ist auffällig, daß sie nicht in der Lage scheinen, filigrane Muster zu weben und so Zauber zu wirken, die hohe Ansprüche an den Geist stellen. Vielmehr nutzen sie Unmengen astraler Energie, die sie lediglich zum Zwecke der größtmöglichen Zerstörung bündeln und auf ein Ziel fokussieren.
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3. Erörterung einer Daimonenbeherrschung
Fassen wir einmal die bisherigen Erkenntnisse und Vermutungen zusammen:
Zum einen können Untote offenbar nicht in großen Mengen mittels der Applicatio In An Mani Grav geschaffen werden. Die fortwährende Notwendigkeit, während des Rituals Opfer zu bringen, würde das Potential der vorhandenen und brauchbaren Objekte übersteigen. Des weiteren wären weit mehr mit eigener Intelligenz gesegnete Subjekte zu deren Lenkung und Kontrolle vonnöten, als das es sich derart unauffällig bewerkstelligen ließe. Gegen eine Selbständigkeit der Untoten wiederum spricht die Tatsache, daß einige von ihnen aktiv magisch begabt sind, was aufgrund der nötigen komplexen Vorgänge nicht von einem rein triebgesteuerten Wesen zu verrichten wäre. Auch macht einen Teil der Gefährlichkeit eines Skelettritters sicherlich sein taktisches Verständnis aus, das ebenfalls kaum triebgesteuert ist.
Folglich muß es also eine Möglichkeit geben, Untote ohne besagtes Ritual zu erheben und auch zu kontrollieren.
Hier nun äußere ich die Vermutung, daß dunkle Daimonen, von bisher unbekannten Zielen getrieben, Besitz von den toten Körpern ergreifen und diese mit untotem Leben erfüllen.
Diese Theorie erklärt die nachweisbare schwache magische Reststrahlung nach dem Tod eines jeden nekromantischen Wesens. Diese Strahlung stellt die Spur dar, die die Daimonen, die ja Wesen des Arcanen sind, an ihren Opfern hinterlassen.
Ebenso würde die Beseelung die unterschiedlich ausgeprägte aber dennoch immer vorhandene Intelligenz der Kreaturen erklären. So ist auch Kraft, Widerstandsfähigkeit, Konstitution und magische Begabung vom Typus des Daimonen abhängig, welcher den toten Corpus kontrolliert.
Ein anderes Indiz ist die pure, zerstörerische Kanalisierung der arcanen Energien in Zaubern, welche auf der Fähigkeit der Daimonen zurückzuführen ist, direkt auf das arcane Planum zuzugreifen und dort nahezu endlose Mengen dieser Kraft zur Verfügung zu haben.
Ebenso bräuchte man so keinerlei Opfer bei der Erhebung, da die Corpi nicht mit der Lebenskraft eines Opfers, sondern mit jener des Daimonen gespeist wird. Ebenso wäre kein mentales Band zu einem Beherrscher vonnöten, da auch die Kontrolle direkt vom innewohnenden Daimon ausginge.
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4. Schlußbetrachtung
So könnte man nun meine Klassifizierung der Untoten um den Daimonentypus erweitern. So unterscheiden sich die drei Gruppen lediglich im Verwesungszustand des Objectums vor der Erhebung. Die Typen innerhalb einer Gruppe basieren so alle auf einer nahezu identischen Grundlage. Ihre unterschiedlich ausgeprägten Characteristica folgern nur aus den unterschiedlichen Daimonen, welche die toten Corpi bewohnen.
Sicher hat meine Theorie der daimonischen Beseelung noch Lücken und Ungereimtheiten. Doch ich veröffentliche diesen Erkenntnisbericht, um eben jene mit Hilfe meiner werten Collegi auszuräumen. So ist zum Beispiel noch ungeklärt, welchem Antrieb die Daimonen folgen, überhaupt einen humanoiden Körper zu untotem Leben zu erheben. Ebenso mögen Fehler in meinem theoretischen Wissen über Daimonen liegen. Auch könnte man noch eine Beobachtung und Klassifizierung der verschiedenen Daimonentypen vornehmen.
Schlußendlich sei noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, daß Kritik und Berichtigung sehr erwünscht sind.

Lutisana Gutherz
Ratsgelehrte der Drachenritter