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Datum: 26.02.2017
Autor: Jeridia
Thema: Kreaturologie
Titel: Spectator volans – der schwebende Betrachter
primo: anatomia et characteristicae corpi

Grundlegender externer Aufbau der Kreatur:
Ein im Durchmesser etwa zwei bis drei Fuss grosser, fleischiger globus, von einer stark pigmentierten, ledrigen Haut umgeben, auf dessen Oberteil zwischen vier und sechs tentakelförmige Extremitäten herausragen.

Der „Körperball“, caput sphaericus, wird dominiert von einem überdimensionalen Augapfel, dem oculum primum, der durch zwei wulstige Lider geschützt wird. Auf der Hinterseite des capitis spherici befindet sich ein warzenartiger Buckel, auf dem die oben genannten wurmartigen Fortsätze angewachsen sind. Diese muskulösen, äusserst gut durchbluteten Stränge sind etwa von den Dimensionen eines menschlichen Armes und haben an ihren oberen Ende die sogenannten globuli emittanti, welche den sekundären „Augensatz“ der Kreatur beinhaltet.

ad secundo: Autopsie der Kreatur:
•caput sphaericus
•oculus primus
•cerebellum
•das interne Blutkreislaufsystem
•Wurmfortsätze, globuli emittanti et oculi secundi

Dank eines scharfen Skalpells und einem nicht unerheblichen Aufwand an Körperkraft gelang es mir, die überaus feste und widerstandsfähige Oberhaut des Wesens an mehren Stellen abzulösen. Nachdem die rötlich braune, zähe Körperflüssigkeit abgeflossen war, gewährte sich mir ein erster Einblick in den internen Aufbau der Kreatur. Die zwei signifikantesten Organe sind ohne Zweifel der überproportional grosse Glaskörper sowie das cerebrellum, welches sich an der Hinterwand befindet. Eine genauere Untersuchung offenbarte auch einen schlauchförmigen Sack, durchzogen von quergestreifter Muskulatur, bei dem es sich wahrscheinlich um eine Pumpe handelt, unserem Herzen nicht unähnlich.

oculus primus
Bei der zu untersuchenden Kreatur handelt es sich dabei um einen fast 2 Fuss im Durchmesser grosses Auge, welches über 17 Pfund wiegt. Der Glaskörper, oder corpus vitreum, bestehend zu einem Grossteil aus einer durchsichtigen Flüssigkeit, nimmt fast 2/3 des Raums im inneren des Auges für sich in Anspruch.

cerebellum
Das Gehirn, umgeben von einer extrem festen und äusserst widerstandsfähigen Haut, befindet sich zwischen dem oculus primus und der hinteren Wand des caput sphaericus. Diese ledrige, schützende Haut scheint mehrere Funktionen zu besitzen. Zum einen dient sie an der Aussenseite als Blutflüssigkeits-Hirnschranke, das heisst die Körperflüssigkeit hat keinen direkten Zugang zum cerebellum, an der Innenseite verhindert sie, dass die Gehirnflüssigkeit, eine ölige, zähflüssige Paste sich mit dem Blut vermengt. Diese „Paste“ dient wohl dazu, das Gehirn mit Sauerstoff und anderen lebenswichtigen Nähstoffen zu versorgen, als auch als eine Art Dämpfer zu funktionieren. Die feste Hirnhaut und die Paste schützen das Hirn der Kreatur vor Stössen und Schlägen, sie verwandeln diese in, für das Organ, harmlosere Schwingungen.

Nachdem der Hautbeutel geöffnet, die Gehirnflüssigkeit in geeignete Fläschchen gefüllt war, widmete ich meine gesamtes Augenmerk auf die nun vor mir liegende Gehirnmasse. Mit der Hilfe eines gespannten Metallfadens gelang es mir, die Masse in zwei Sphären zu teilen. Untersucht man nun einen senkrechten Längsschnitt, stellt man unterschiedliche Hirnteile fest, insgesamt kann man nun das Gehirn in 2 grosse Abschnitte unterteilen:

cephalon primus
Das scheint der am höchsten entwickelte Bereich des Gehirns zu sein. Es besteht aus zahlreichen Windungen, ähnlich dem menschlichen Gehirn. Die Funktion diese Bereiches scheint mir leider nicht vollends klar zu sein, ich vermute allerdings, dass diese Region zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts während des Schwebens, der Aufrechterhaltung des Muskeltonus und der Koordination der gesamten Muskelbewegung (der Lider, der Tentakel samt den globuli spectanti sowie der gesamten inneren Muskulatur worunter auch der Herzbeutel zählt).

cephalon opticus
Der cephalon opticus bildet mit dem cephalon primus zusammen den grössten und auch wichtigsten Teil des Hirnes aus. Bemerkenswert an dieser Region ist sicherlich der nervus oculomotorius (auch Augenmuskelnerv) welcher direkt mit dem Auge verbunden ist. Seine motorischen Fasern versorgen die Mehrzahl der Augenmuskeln (sowohl des oculus primus als auch der oculi secundi); seine parasympathischen Fasern bewirken die Verengung der Pupillen und die Kontraktion des Ziliarmuskels innerhalb des Glaskörpers.

das Blutkreislaufsystem des spectator volans
Hierbei handelt es sich um ein relativ einfach aufgebautes, ähnlich dem einfacher Lebewesen, offenes System. Die Blutflüssigkeit kann ungehindert durch den gesamten Körper der Kreatur fliessen, um die Organe mit lebenswichtigen Stoffen zu versorgen. Als Pumpe welcher das Blut in ständiger Bewegung hält, dienst ein etwa ellenlanger, dünner Sack, welcher sich zwischen dem Auge und dem Hirnsack befindet. Nähere Untersuchen ergaben, dass dieser Sack aus einer extrem leistungsfähigen Muskulatur besteht. Klappen, welche sich an den beiden Öffnungen des Beutels befinden öffnen sich nun abwechselnd, sodass unter den Kontraktionen der Eingeweidemuskulatur des „Herzes“ Blutflüssigkeit durch das Organ gepresst wird. Völlig unklar ist allerdings noch, woher die Kreatur die lebensnotwendigen Nährstoffe als auch den Sauerstoff zur Versorgung der Organe hernimmt. Ein möglicher Erklärungsversuch wäre, dass der Sauerstoff direkt über die Haut durch Osmose in den Blutkreislauf gelang. Da keinerlei interne Atmungsorgane gefunden wurden, liegt diese These nahe.

die Wurmfortsätze, globuli emittanti et oculi secundi
Die Primärfunktion der Wurmfortsätze ist das Beherbergen der oculi secundi, die die arkanen Emittoren des spectator volans darstellen. Die tentakelartigen Fortsätze, welche die globuli emittanti mit dem caput sphaericus verbinden bestehen wie oben erwähnt aus Muskelsträngen und leistungsfähigen Nervenfasern. Die oculi secundi haben keine opto-receptorischen Funktionen, sonder arbeiten eher in revertierter Weise wie normale Augen. Der Glaskörper befindet sich zu vorderst und die Linsen innerhalb des Auges. Auf diese Art und Weise gelingt es dem spectator volans die applicatio in den Glaskörper der oculi zu fokusieren und im Anschluss überaus effizient auf das bemitleidenswerte Opfer wirken zu lassen. Während des Vorgangs einer arkanen Anwendung werden in den Sekundäraugen grössere Mengen magischer Energie frei, die von aussen durch ein gleissendes Aufleuchten der globuli emittanti deutlich erkennbar sind.

ad tertio: Verhalten und Auftreten des spectator volans

Zumeist trifft man diese Monster nur in den tiefsten Verliessen, im ewigen Dunkel der Nacht, aber vereinzelt auch in finsteren Waldstrichen. Dort hausen sie, des öfteren alleine aber auch in kleineren Gruppen. Krieger erzählen von mehr als fünf dieser Exemplare auf engstem Raum. Was mag wohl die Motivation für solche Zusammenschlüsse sein? Handelt es sich dabei ein soziale Gefüge, um verwandte Exemplare? Und warum der Zusammenschluss? Der einzig bekannte Feind des spectator volans sind, zumeist menschliche, Gruppen von wagemutigen Helden. Die Monster scheinen die Gefahr erkannt zu haben welche von diesen Eindringlingen ausgeht und reagieren wohl dementsprechend. Sofort nachdem die potentielle Gefahrenquelle ausgemacht wurde, beginnen die Betrachter, sich dem Feind zu nähern. Langsam wird dieser umkreist und die Kreaturen beginnen, magica combativa wirken zu lassen. Die Palette ist dabei weit gefächert; vom noch relativ harmlosen applicatio In Por Ylem, über den weitaus verheerenderen Por Ort Grav bis schliesslich hin zum todbringenden Corp Por. Eine interessante Beobachtung ist, dass der spectator dabei in eine Art Kampfrausch verfällt, sein Ziel die völlige Vernichtung des Eindringlings. Selbst schwerste Verletztungen können das Monster nicht dazu bewegen, einen In Mani oder einen In Vas Mani wirken zu lassen. Auch die magica protectiva scheint der Kreatur fremd. In diesem Zusammenhang fällt auch auf, daß die Gattung spectator volans mit zunehmendem Alter wesentlich zäher und noch stärker in der Magie. Die alten Exemplare, im Volksmund als Eldar bezeichnet, wenden magica combativa jedes Bereichs in höchster Perfektion an und scheinen eine schier unerschöpfliche Quelle an arkaner Energie zur Verfügung zu haben. Sie sind intelligenter und ihr ganzer Körperbau ist massiger und robuster.

ad finitum

Die Species spectator volans ist eine aussergewöhnliche Lebensform mit starker arkaner Verbundenheit und geringfügigen Grundbedürfnissen. Allein durch die potentielle Gefahr, die von ihnen ausgeht leben sie zurückgezogen und sind für die meisten einfachen Bewohner der Alten Welt ein Mysterium. Aus diesem Grunde stellt sie für die Welt an sich keine direkte Bedrohung dar, sondern nur für alle die, die in ihren kargen Lebensraum eindringen.

gez. Jeridia, Schwester des Mondes